24. Juni: Sommerfest

Selten habe ich ein Fest erlebt, auf dem es trotz des schlechten Wetters so harmonisch und entspannt zuging wie am 24.6. in Klein Hundorf, weit ab vom Schuss.
Einige Menschen hatten sich schon am Vortag dort getroffen und in Zelten, Autos, Wohnmobilen, und auch auf dem Teppich im Café übernachtet.
Als ich ankam, war ich gleich mittendrin in einer Oase der Menschlichkeit, der Ruhe und des Friedens.
Immer mehr Leute fanden sich ein, schon äußerlich viel Interessantes verheißend, mehr Individualität ging nicht …
Ein Feld vor dem Dorf füllte sich mit Autos, viele bauten ihr Zelt auf, dann regnete es stark und trotzdem freuten sich alle.
Es war nass, rutschig und auch kühl nach dem Regen, aber das machte nichts.
Überall traf man zusammen, redete, erkannte sich wieder oder lernte sich neu kennen.
Viele große und richtig kleine Kinder, die gerade erst laufen konnten, und sehr entspannte Hunde liefen herum, als würden sie da schon immer gelebt haben, geborgen in einer Atmosphäre der Akzeptanz und des Vertrauens.
Das Fest war so wohlwollend und vorausschauend organisiert, man konnte alle Vorteile der kleinen Hundorfgemeinschaft genießen wie eine Riesenbadewanne für 10 Leute, eine Sauna, wunderbares Essen – die beste Pizza, die ich jemals gegessen habe – und  einen Tangokurs.
Man konnte schweißen lernen, viele künstlerische Darbietungen( großartige Pantomime!) erleben, viel Musik, Musik, Musik und einfach abtanzen!!!
Oder nur das herrliche Dorf mit den individuellen Lebensorten, die sich die Menschen dort geschaffen hatten, anschauen.
Wunderschöne Wohnhäuser, auch kleine Klohäuschen gab es … mit Biotoiletten und Ausblicken in eine phantastische Landschaft.
Draußenduschen fehlten auch nicht und über verschlungene Pfade kam man zu einem Waldkindergarten.
Bauwägen in unterschiedlichsten Ausbauvarianten machten mir Lust auf freies Leben ohne Ballast.
Ein Gespräch mit einem jungen Mann hat mich besonders berührt.
Der sprühte vor Lebensfreude und Zuversicht, dass er das Beste aus seinem Leben machen werde, weil er es endlich selbst bestimmt, seit er die Schule verlassen hat.
So viele Ideen, so viel Einfallsreichtum und Vorfreude, so viel Urvertrauen!
So viel Schönheit und Bewusstheit in den Gesichtern und Seelen der Menschen!
Ich habe Zuversicht, dass die Welt nicht untergeht bei so viel Mut!
Auch wenn der Vollmond Skepsis pur verströmt …
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22. Juni: Sommergewitter

Was heute vom Himmel herunterkam hat bis in die entlegensten Körperzellen erschüttert.
Nicht nur mich … Ich habe Menschen reden hören, die sich zusammenkrümmten vor Angst und Schrecken und ihrem Fluchtinstinkt folgten, ohne zu wissen, wohin sie fliehen sollen.
Die einfach losgerannt sind … um ihre bloße Existenz zu retten.
In meinem Leben habe ich schon einige heftigste Einschläge durchgestanden, ich finde immer wieder eindrucksvoll, wie ausgeliefert ich mich dann fühle.
Naturgewalten überwinden irgendwie alles, was ich mir zum reinen Selbstschutz aufgebaut habe.
Es gibt ja auch Menschen, die wie gewaltige Naturkatastrophen hereinbrechen, die erschüttern können, dass man nicht mehr weiß, ob man Männlein oder Weiblein ist…
Solche Menschen fordern einen auf allen Ebenen, sie bewirken manchmal innere Zusammenbrüche, Resignation, Verzweiflung.
Dann entfacht sich an der kleinen Flamme  der Selbstachtung ein gesunder Zorn, der alles wachruft, was man an Initiative, Kreativität, Ausdauer schon viele Jahre gebildet, gesammelt, kultiviert hat.
Man kann sich in Frage stellen, selbstreflektorische Einsichten haben, dazulernen, demütig sein und Respekt entwickeln für diese Auslöser.
Und dann wird man gesund durch den Zorn, denn auch er ist eine Naturgewalt, eine ganz elementare.
Zorn lässt einen ganz achtsam werden, auch wertschätzend … dem Angreifer gegenüber, aber was noch viel wichtiger ist, sich selbst gegenüber eben auch.
Verständnis zu haben für mein Gegenüber ist für mich der größte Schatz, …nach Gründen für menschliches Agieren zu suchen ist ein gangbarer Weg, diesen Schatz zu heben.
Und Streit ist dazu da, dass man sich selbst wiederfindet und dass man ebenso erkennt, wie jeder Einzelne diese Welt zusammenhält.
Den Anderen zu achten und respektieren, aber sich auch gut abzugrenzen, wenn es sein muss, ist für mich Lebenssinn.
Hab ich dafür ein Bild? Noch nicht, aber es entsteht eins. Ohne die Möglichkeit, Frustration und Erkenntnis künstlerisch umzusetzen, würde ich eingehen.

Sonntag, 30° Grad im Schatten

Die Temperaturen gehen rauf und runter, jeder Tag ist eine Überraschung, morgen sind 10 Grad weniger vorgesehen. Na, mal sehen …
Ich bin ja sehr dafür, dass die Sommeruhrzeit abgeschafft wird.
Schon morgens viertel vor vier ist es hell und die Amsel singt: „I´m a Barbie-Girl“.
Zur Zeit fehlen mir definitiv zwei Stunden Schlaf. Und weil ich erst abends erblühe, finde ich kein Ende, es geht bis nach Mitternacht.
Gestern habe ich mein Atelier aufgeräumt, all die Kisten von meinem Auszug aus der Kunstschule (im Jahr 2011!) mal gesichtet, umgepackt, ausgedünnt.
Unglaublich, was ich da endlich wiedergefunden habe!
Meine geliebten Aquarellstifte … an die 200 Stück.
Was hab ich die gesucht, all die Jahre!
Ich beherberge seit 40 Jahren auch noch Berge von Stoffen, gesammelt in der Zeit des Mangels (DDR), selbstgefärbt in allen Regenbogenschattierungen für genähte und bemalte Bildteppiche. Die kamen auch wieder zum Vorschein. Ich schwelgte im Glück gestern, sag ich euch!
Da such ich mir doch gleich eine neue Herausforderung und mach mal wieder kleine Bilder aus Stoff, die ich mit den aufgetauchten Stiften bemale…

Hier ist ein Bildteppich aus 1987, er hatte die Maße 2,60mx1,80m.
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Meine Freestyle-Häkeljacke ist übrigens seit 10 Tagen schon fertig.sdrSie wärmt und belüftet gleichzeitig.

Zum guten Schluss möchte ich euch einen Blog-Artikel von Medi Becker ans Herz legen, der mir wirklich gut getan hat, weil ich mich absolut darin verstanden und gesehen gefühlt habe. Sie sprach mir aus der Seele.
Es geht um den Schmerz des Lebens und wie man sich von ihm befreien kann. Wunderbar! Ihr findet ihn auf <befreiung.online>.

Mittwoch, der depressive…

Meine Sätze fangen mit I an:
1. Ich bin wieder flügellahm.
2. Ich finde das doof!
Dabei war alles okay, ich habe nichts Falsches getan, es ist einfach das Alter…

Und da zeigt mir mein Mann heute so einen tollen Artikel mit Aussagen von Nora Tschirner aus einem Interview mit dem Spiegel …
Sehr guter Artikel, die Frau hat meine Sympathien, sie ist klug, hat einen wachen, kritischen Blick auf die Welt und eine liebevolle, wertschätzende Einstellung zu sich selbst.
Und sie ist jung! Sie reißt einen mit, hat Humor und lässt sich nicht verbiegen.
Absolut zum Nacheifern!
Wenn ich nicht schon fast dreißig Jahre älter wäre…
… dann kriegt man nämlich von Lebenslust (=Tischtennisspielen) Entzündungsschübe in der Schulter oder laut knallende, abreißende Bänder (wenn man zu bereite Schritte macht) oder dicke Knie…

Also,  liebe Nora,  erfreue dich an deiner jugendlichen Frische!
Die ist zwar in meinem Alter auch noch da (im Kopf auf jeden Fall!!!) und meldet sich standhaft zu Wort, aber sie muss inzwischen aufpassen, dass sie nicht im allgemeinen Zipperlein-Gejammer untergeht.

Was nun?
-Ernährungsumstellung, meine Mutter sagt: „Mach das mal bloß, du bist ja noch jung.“
-positiv Denken
-Austausch suchen mit Gleichaltrigen
-Friseurbesuch
-Bettruhe
-Kunst (häh? … wie denn mit dem Arm?)

Ich werde mich um Trenn- und Rohkost kümmern, also keine tierischen Proteine mit Kohlenhydraten zusammen essen …und Salat … Salat … Salat … damit hab ich erstmal genug zu tun!

Und ich freue mich auf Bilder von meiner glücklichen Künstlerkollegin und lieben Freundin Christiane, die endlich die Kunst macht, die sie schon immer machen wollte, nämlich wunderbare, erstklassige, einfühlsame Porträts von interessanten Menschen!