Glück ist harte Arbeit…

Unweigerlich war mir das Glück über die Kunst abhanden gekommen.
Sowas passiert… Ich bin da so reingeschlittert…
Nach Russland und Monino war irgendwie nichts mehr so wie vorher.
So klar wie dort ist mir bisher nicht bewusst gewesen, wie alt ich eigentlich schon bin.
Das stürzte mich in gruselige Abgründe.
Der Gedanke an mein endliches Leben war immer so weit weg wie die Rente.
Plötzlich traf mich mein Alter wie eine Keule. Einfach so! BAAMMM!!!

Alles wurde noch schlimmer durch eine Ausstellung, an der ich mit einigen Kleinigkeiten teilgenommen hatte.
Fast niemand interessierte sich für meine Sachen!
Auch sowas passiert.
Etwas in mir brach zusammen. Und das war die Überzeugung, dass ich mit meiner Arbeit was Wichtiges tue.
Ich beweinte den Untergang der Kultur, den Untergang der Empathie, den Untergang der Liebe!

Drama im Doppelpack: Ich bin alt! Und auch noch wertlos!
Meine Güte, da hatte ich mir was eingehandelt!
Erster Gedanke: Ich fahr nie wieder nach Russland!
Aber das ist ja Quatsch!
Mein zweiter Gedanke: Ich muss was tun!
Denn das Dahinscheiden der eigenen Zuversicht, der Hoffnung, des Lebensmutes, des Glücksempfindens überflutet mit seiner aussichtslosen Härte jede Körperzelle im Nu.
Und im nächsten Augenblick weiß man vor Verzweiflung nicht, wohin mit sich…

Ich hab mir was zum Stricken gesucht, was Kompliziertes, Großes …  einen
XL- Norwegermusterpullover für meinen Sohn.
Da konnte ich mich dran festbeißen.
Das Blöde war, ich hatte beim Verzweifeln über meine Wertlosigkeit beschlossen, mit der Kunst ganz und gar aufzuhören. Deswegen blieb mir ja nur die Handarbeit!
Schnell strickte ich noch ein paar Tücher mit verzwickten Ajour-Rändern und bastelte  35 kleine Schachteln, häkelte Stuhlkissen, fummelte Origami-Kreisel…
Aber das reichte mir doch alles nicht.
Also fing ich Ende September wieder an zu malen, jetzt ganz allein für mich, nicht um damit Geld zu verdienen, denn das funktioniert ja wohl kaum mehr.

Nun – ohne den Geldhintergedanken – kümmere ich mich um Flächenaufteilung, positive und negative Linien, Farbharmonien und -disharmonien, finde Gefallen am Übermalen von alten Bildern und an neuen Techniken.
Ja, ich kann behaupten, ich gehe wieder auf im Rausch des Schaffens… und fühle mich so herrlich jung!
Jeder Strich ein Genuss, jede Form eine Freude, jede Farbe ein Vergnügen!
Die Trauer ist verflogen… Ich tue mir nicht mehr leid und kann hier wieder schreiben.
Ich weiß jetzt wieder, dass mich Kunst glücklich macht!
Beweise folgen…