Letzter Augusttag

Mein liebster Simeon!

Ich bin knallhart, weißt Du?
Wir müssen Gas tanken und ich habe gekämpft,um einen niedrigeren Preis zu verhandeln, als die wollten.
Sowas ist anstrengend, aber nötig.

Unser neuer Kühlschrank ist da, der würde Dich interessieren. Er muss aber noch ein paar Stunden ausbleiben, um sich an uns zu gewöhnen.
Ich würde Dir liebend gern den Vortritt lassen beim Einsortieren der Lebensmittel …

Nachher fahre ich nach Rostock zum Wenzel-Konzert.
Ich bin ambivalent, sehne mich nach Ruhe und Schlafen, bin aber auch gespannt auf den Musiker, den alle so toll finden.

Heute ist ein komischer Tag, ich verdrücke mir die Tränen, bin kreuzunglücklich, poste aber ein glückliches Bild auf Instagram … Weiß wieder nicht, wohin mit mir.
Sehe Deine Fotos nicht an, wenn ich vorbeigehe, halte es nicht aus …

Heute ist der letzte Augusttag.
Und heute ist Freitag. Ach so.

Ich vermisse Dich unendlich, mein Simi, es tut so weh.
Liebe für Dich!!!

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50x65cm

Mein liebster Simeon!

Langsam taste ich mich voran.
Das heutige Format misst fünfzig mal fünfundsechzig Zentimeter.
Und ich habe bedeutend mehr zu tun. Ist doch klar!

Das erste Bild glitt wie von allein auf`s Papier …
Beim zweiten wollte ich alles anders machen und quälte mich rum, aber viel anders ist es nicht geworden.
Die Aufteilung ja, aber bei den Farben bin ich irgendwie steif und festgelegt.
Ich kriege den Kopf nicht frei.

Heute waren nur 14 Grad draußen! Saukalt! Den ganzen Tag Regen.
Der Garten sieht total wüst aus, nun wächst ja alles wie verrückt.
Und ich dachte, ich bin dieses Jahr mal gut zugange und komme hinterher.
Denkste!

Ach, mein Schatz!
Ich muss mit Gewalt die Gedanken an Dich wegschieben, sonst kann ich nicht aufhören zu weinen.
Es liest sich vielleicht so leicht – mein Tagewerk.
Aber es fällt mir so verdammt schwer, initiativ zu sein und den Kopf oben zu behalten.
Jetzt habe ich mich ins Bett geschmissen, meine Eisbeine zugedeckt und schaue Serien.
„Outlander“ wollte ich mal probieren … Ist das richtig geschrieben?

Eben war eine Szene, da liest eine Frau einer anderen aus der Hand und ich musste an Deine wunderschönen Hände denken und gleich geht nichts mehr!
Zum Durchdrehen!

Ich zeig Dir das erste große Bild und höre auf zu klagen.
Es heißt: „Nachts im Museum“.

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Da habe ich eine Kopie von Picasso („Stilleben mit Gitarre“ heißt das, glaube ich), die ich während des Studiums machen musste, mit drin … jedenfalls Teile davon.

Aale und anderes Geschlängel

Mein liebster Simeon!

Kannst Du Dir vorstellen, was ich heute alles veranstaltet habe, nur um nicht die großen Formate  angehen zu müssen?
Gewunden wie ein Aal hab ich mich, mal hier hin, mal da hin bin ich gesprungen, hab mich im Kreis gedreht und Hausarbeit erledigt, es gab so allerlei zu tun. Bin in den Garten gerannt, Unkraut gezupft … hab Wäsche zusammengelegt und die Mülleimer geputzt. Dann nahm ich noch den Ausguss im Spülbecken auseinander und reinigte ihn mal supergründlich. Lauter ausweichendes Geschlängel!
Ich hatte einfach so großen  Respekt vor der vielen Arbeit mit den Bildern und dachte, ich krieg`s nicht hin.
Aber dann habe ich es doch gewagt, bin ins Atelier gefahren und habe auch großes gutes Papier gefunden.

Ich saß dann draußen auf der Bank, selig mit dem ganzen Zeug und malte, bis mir kalt wurde.

Wir stellen eigentlich immer wieder fest, mein Schatz, dass wir es nicht aushalten, mit vielen Menschen zusammen zu sein.
Gesellschaft – so lieb sie auch sein mag – strengt an. Und wenn die Kraft nichts mehr zusammenzuhalten schafft, kommt die Realität ohne Erbarmen wie ein innerer Krieg über uns.

Deshalb sind wir nicht gesellschaftsfähig.
Naja …
Warum ich das jetzt anspreche? Dein Vater und ich haben uns gerade darüber unterhalten … und dass wir auf uns aufpassen müssen.

Ich zeig Dir gleich den Malplatz draußen, hab`s fotografiert.
Schick mir Kraft, wenn Du kannst, ich schicke Dir Liebe!

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Initiative

Mein liebster Simeon!

Der entscheidende Hinweis für mich war heute, ich solle den Tag nicht initiativlos verstreichen lassen.
Da habe ich also die Initiative ergriffen, um halb zehn schon am Morgen und bastele seitdem an einem Arbeitsplan für die nächsten 18 Monate.
Zwei Schwangerschaften hintereinander.
Aber ich werde mit etwa 25 „Kindern“ schwanger sein, vielleicht nicht gleichzeitig, im Geiste jedoch schon.

Großformatige Bilder werde ich malen! Ich bin hippelig!
Es rattert in meinem Hirn wie Knüppelacker unter`m Rennrad und ich manövriere mich immer tiefer hinein in das große Abenteuer.
So eine große Herausforderung, mein Sohn!
Ich will das schaffen … wenn es an der Zeit ist, wirst Du es sehen.

Für Deinen Beistand bin ich dankbar.
Ich werde jeden Tag meinen inneren Schweinehund ausführen, beruhigen und dann an die Kette legen, damit er mich machen lässt und mich nicht etwa zwingt, Serien zu schauen, wenn ich gar nicht will.
Denn nun fängt das große Malen an … wie Du gesagt hast und es vorausgesehen hast.

Spannend, oder?
Ich liebe Dich!

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dav

Immer wieder Zeichen

Mein liebster Simeon!

Zwei Tage hintereinander Trauer protokollieren geht nicht, finde ich.
Deshalb erzähle ich Dir heute, dass meine liebe Freundin aus der Schweiz angerufen hat.
Wir kennen uns schon über 30 Jahre und nun wird es Zeit!
In 3 1/2 Wochen sehen wir uns wieder.
Zu Atem kommen wir wohl nicht, überschlagen werden sich unsere Erzählungen.
Wir haben schon beim Telefonieren gemerkt, wie viel es zu besprechen gibt!
Ich freue mich so sehr auf sie!

Eben hat Dein Bruder seine lange vermisste, heiß geliebte Lederjacke wiedergefunden.
Aber in Einzelteilen.
Er hatte sie drüben auf der Wiese mal vergessen beim Feuer und nun kam sie zerlegt und verschimmelt zurück … Tiere haben sich darüber hergemacht, genagt, zerfetzt, vielleicht sogar darin gewohnt …
Wie schade!

Ich habe heute ausgeruht, ausgiebig, bin immer noch dabei …
Gestrickt, gegessen, getrunken, Serien geschaut. Malen will ich gleich noch.
Sonst gibt es nichts Neues, mein Schatz.

Ich will Dir nur noch Danke sagen für die Zeichen, die Du unermüdlich schickst, immer wieder!
Und die wir natürlich erkennen und uns zu Herzen nehmen.
Die uns erfreuen bis in die winzigste Körperzelle!
Danke! Danke! Danke!
Geliebter feiner liebevoller Sohn!

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Beim besten Willen

Heute am Sonntag konnte ich beim besten Willen nichts Aufbauendes finden, mein liebster Simeon.
Hab mir alle Mühe gegeben und bin doch wieder voll drin gewesen in der schwarzen Kiste.
Konnte Deine Fotos nicht ansehen, ohne zu verzweifeln.
Endloses Vermissen.
Kein Aufhören möglich.

Ich habe gestrickt, bin Auto gefahren, habe genug gegessen und das war`s schon.
Schmalspur … eingleisig … überfallartige Depression … ohne Aussicht auf  Gnade.

Heute habe ich erfahren, dass ein gebrochenes Herz sich so anfühlt wie ein Infarkt.
Dass sich daraus ein krankhafter Zustand ergeben kann.
Na, wollen wir mal nicht unken!

Morgen ist Montag, da sollte es mir besser gehen … ich habe vorbereitete Blätter zum Ausmalen … sie liegen schon bereit.
Und mein Päckchen Liebe bekommst Du natürlich jetzt.
Wie immer. Auch mit Bild.
Ich hab Dich lieb.

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Der volle Mond

Der Mond scheint in mein Zimmer, mein Schatz!
Und er ist ein Dieb.
Er nimmt sich mit einer Selbstverständlichkeit von meinem Schlaf.
Ausverschämt stiehlt er mir meinen Glauben an das Tröstliche, das ich brauche in meinem Kokon.
Ich hasse ihn dafür, er soll verschwinden hinter dicken Wolken.
Wo sind die alle hin?

Meine Einstellung zum Vollmond war immer ambivalent.
Oft zog er mich so sehr an, dass ich die Augen nicht abwenden konnte.
Gebannt starrte ich so lange hin, bis mir mal ein Bild dazu einfiel. Jemand hat es sogar gekauft vor langer Zeit.
Ich konnte ihn nicht mit meiner Weiblichkeit in Verbindung bringen, eher mit dem kalten, gefühllosen Anteil in mir, was für mich auch nicht zum Männlichen gehört.
Dann wieder liebte ich seine warmen Flecken, diese „Augen“, die wachsam über mir schwebten. Da sollte der „liebevolle“ Mond mir ganz allein gehören.

Um das Kalte ging es auch heute … Unser Kühlschrank ist nach 10 Jahren halbseitig gelähmt, er eist nur noch links, rechts vergammelt alles, was man reinstellt, in kurzer Zeit.
Also habe ich zusammen mit Esther einen neuen besorgt für die nächste Dekade.
Ich hoffe, die haben nicht zu viele Fehler eingebaut  …  und das Ding funktioniert mal 5 Jahre am Stück ohne Reparatur. Bei dem Preis … also wirklich!
Sonst grab ich ein Loch im Garten, ein riesiges Vorratsloch. Mit Erdkühlung.

Mein liebster Schatz, Du merkst, heute ist nicht allzu viel mit mir los.
Ambivalent war ich den ganzen Tag … Lachen und Weinen zugleich, Schmerz und Hoffnung, Freude und Härte … alles parallel.

Ich schick Dir eins von den kleinen Bildern als Gegenstück dazu.
Es hat fast keine akkuraten Parallelen, weder im geometrischen noch im übertragenen Sinn.
Pick Dir die Liebe da raus, es dürfte nicht schwer sein.
Bis morgen.
Deine Mama

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dav