Schlitternde Hunde

Mein liebster Simeon!

Die kleinen Teiche haben noch Eis.
Gerade so, heute waren es schon Plusgrade, die unsere Spazierwege zu Matschkuhlen aufweichten.
Aber in Nachbars Garten wagten sich die beiden Wildfänge in ihrer Spielfreude auf`s Eis.
Die kleine süße Flitzpiepe der Nachbarn stakste mit spitzen Pfoten herum, wie eine feine Dame auf Stöckelschuhen.
Und bei Lenny, mehr als doppelt so groß, knackte es laut.
Immer wieder schlitternden die beiden im heißen Rennen auf dem glatten Stück …
Herrlich!
Was bin ich froh, dass Lenny so eine tolle Freundin hat!
Er spürt es immer schon, wenn sie draußen rumläuft … noch bevor er sie hört.
Dann sitzt er wedelnd vor der Tür und will zu ihr.
Morgen, liebster Schatz, mache ich Fotos, wenn sie toben, versprochen!
Ein ganz liebes „Gutenacht“ von mir!

Zwischenstand

Mein liebster Simeon!

Nur kurz ein Zwischenbericht.
Ich hab weitergemacht, die Flächen farblich angelegt.
Neue dicke schwarze Stifte sind auch da, die ich gut gebrauchen kann.
Das ist das Bild mit dem, was da war.
Wo ich mich treiben ließ, noch treiben lasse.
Noch längst nicht fertig.
Aber ich geh raus in die Kälte, lege es auf die Steine, um den Abstand zu kriegen, von Ferne zu schauen, was da noch geht, noch zum Vorschein kommt.
Und wieder bin ich drin in meiner Welt, tauche ein und schwimme.
So spannend!
Dieses Treibenlassen, um an fernen Gefilden zu landen, wird ja auch geführt.
In mir sind Deine schönen Wörter, die mich leiten.
Ich war heute auf der Suche nach dem „Klingelstrand“, ein Wort, das auch auf der Liste steht und das Du so oft gesagt hast damals.
Ich will ihn nicht bildhaft darstellen und weiß nicht, wie dieser Strand für Dich ausgesehen hat … vielleicht war es der Eismann, der am Strand entlangfuhr und klingelnd sein Eis verkaufte …
In mir klingelt jedenfalls was … diese Erinnerung.
Ich folge diesem „Ruf“ und bin glücklich damit.
Das wollte ich Dir unbedingt sagen.
Du beschenkst mich mit Impulsen, mit Freude an den Farben, mit der Lust zum Malen, die doch so tief in mir ist und durch Deinen Zuspruch vom vorigen Jahr (weißt Du noch, als Du mir sagtest, ich solle nie aufhören damit?) immer wieder geweckt wird.
Du musst unbedingt mitkriegen, was Du in mir auslöst, alle Facetten.
Immer, wenn ich etwas von Dir hier zu Hause finde, offenbart sich mir ein Teil Deines Reichtums.
Und das ist auch Trauerarbeit.
Sich zu trauen, danach zu suchen und es zu nehmen und in diese Gegenwart zu transportieren.
In der Du noch bist.
Ich liebe Dich!

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Sonne und Eis

Mein liebster Simeon!

Eben hatten wir einen langen Spaziergang zusammen, Lenny und ich.
Wir sind bis dahin gelaufen, wo Du mal Dein Handy auf dem Acker im Regen verloren hattest, weißt Du noch?
Wir liefen mit Frodo da lang, dem süßen Kater, der uns überall hin folgte und nachher auf unserem Rücken getragen werden wollte.
Dein Handy lag natürlich noch da, war nass und voller Modder, aber funktionstüchtig.
Daran habe ich mich erinnert.
Gestern fand ich beim Aufräumen einige Sachen von Dir … eine Liste mit schönen Wörtern, die Du liebtest, als Du drei warst …
Neben Schokolade, Dumperfahren, Auto, Mama und Papa waren es auch die Namen der Kinder aus der Nachbarschaft, die Dir wichtig waren.
Ich hatte die Liste 2001 angelegt, ein ganzes DinA4-Blatt voll.
Ein Bild von Dir für mich war auch dabei.
Und weil ich doch jetzt so am Sichten und Räumen bin, warte ich gespannt darauf, was ich noch alles von Dir finde, mein lieber süßer Schatz!

Der Hund hat unterwegs mehrere gefrorene Pfützen aufgebrochen, das fand er ganz toll. Er wartete ganz lieb und geduldig, als ich in der Sonne an einem Holzhaufen lehnte und rauchte. Du würdest Dich so freuen über ihn!

Hier zeig ich Dir das Bild, da warst Du 6 und fandst den Schornsteinfeger ganz toll!
Und Elefanten, wie`s aussieht …
Und Deine lieben süßen Buchstaben, es zerreißt mir das Herz!

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Gib eine Beschriftung ein

 

Alles fügt sich …

Mein liebster Simeon!

Ich habe heute viel geregelt, viele Anrufe gemacht, gesucht, gefunden …
Die Erfahrung, dass alles in die richtige Richtung fließt, sich alles gut einrichtet und fügt, fast wie von selbst, ist wunderbar!
Fast wie von selbst und doch weiß ich, dass Du mithilfst, mein lieber Schatz.
Dafür danke ich Dir so sehr!
Mehr habe ich heute nicht zu sagen.
Ich bin wieder ganz aus Liebe!

Was kommen soll

Mein liebster Simeon!!

Neulich habe ich Dir darüber geschrieben, wie gut es tut, wachsam zu sein für das
Wesentliche und für das bereits Existierende in allem.
Von Abwarten war die Rede und von Geduld.
Und dann beschrieb ich, wie sich zerplatzte Seifenblasen = Träume/Wünsche anfühlen.
Wie einen das umhauen kann und wie frustriert man ist.
Dass man alles hinschmeißen will, weil ja nichts mehr Sinn ergibt, sich nichts mehr lohnt …
Aber dann ist da noch das Vertrauen.
Ist auch nur ein Fünkchen Vertrauen übrig geblieben in diesem letzten Jahr, so kann es jetzt Hoffnung gebären.

Was kommen soll, wird kommen, mein Schatz!
Zeichen erscheinen, die richtigen Informationen werden gefunden, wichtige Menschen mit großen Herzen und guten Ideen tauchen plötzlich auf, wirbeln herum und machen Mut.
Alles fügt sich irgendwie von selbst zusammen und das Unmögliche wird machbar.
Ich spreche von unserem Projekt, von dem Neuen, das wir erschaffen wollen.
Es WIRD!
Von Liebe getragen …

Tribute

Mein liebster Simeon!

Alles hat seinen Preis.
Ich weiß das und zahle bereitwillig Tribut um Tribut, mein Sohn.
Was soll ich machen?
Ein paar Kilometer Flucht, 3 Stunden Freude, wunderbar, alles herzerwärmend und gut.
Ich brauche und liebe diese Fluchten, deshalb auch meine Bereitschaft dafür.
Genauso für das Danach, die Kehrseite.
Ich will wirklich nichts ausklammern und lerne dazu.
Bestimmt gibt es hunderte mehr Möglichkeiten, die ich noch nicht kenne.

Mir hat jemand gesagt, das, was ich hier schreibe, ist schwer bis gar nicht zum Aushalten … so in etwa.
Das finde ich auch.
Ich überlege, ob ich Dir in der letzten Zeit wirklich immer meine Wahrheit geschrieben habe oder ob ich zeigen wollte, dass ich schon ein Stück weiter gekommen bin.
Und heute morgen hat sich als Antwort darauf eine ganz fiese böse Stimme in mir gemeldet, es würde nerven und das reicht jetzt und ich soll endlich aufhören mit den verdammten Briefen.
Ich saß so friedlich und rauchte dabei.
Und musste mir selbst Einhalt gebieten … das klingt ja schon sehr verrückt.
Aber alles ist noch immer so neu und unbegreiflich, dass verrückte Gedanken dazu gehören und Rettung verheißen oder Trost zumindest.
Oder auch schocken.
Was ich mir alles ausdenke, um den Anschluss an mein Leben wiederzufinden!
Oder wie ich einfach nur stupide rumsitze und dieses eine Spiel spiele …
Und dabei will und muss ich doch ganz alleine meinen eigenen Weg gehen.

Also, wie Du merkst, ist dieser Sonntag nicht durchstrukturiert.
Es wirkt so, als hätte er mich in der Mangel.
Doch das täuscht.
Die dunkle Seite in mir meldet sich eben, wird kurz zugelassen und dann geht’s weiter mit den Socken oder den Pullovern oder den Bildern.
Auch den Serien oder dem Spiel.
Dann entkomme ich dem Mahlstrom, dem Hamsterrad, der heißen Lava.

Die Liebe zu Dir ist es, die mich inspiriert, an Dich zu schreiben.
Sicher ist irgendwann damit Schluss (nein, nicht mit der Liebe!), vielleicht bald, wenn das Jahr um ist, die offizielle, früher mal von der Gesellschaft als Sitte festgesetzte Trauerzeit.
Dann will die Seele endlich loskommen von den ganzen Fesseln und ins Licht gehen und ich soll Dich gehen lassen.
Es grüßen die Ghostwhisperer!

dav

dav

Dieses eine Bild nochmal … mit dem Vogel und den Gesichtern.

700 km

Mein liebster Simeon!

Um dieses Wochenende nicht zu verzweifeln, weil es das ist, an dem Du vor einem Jahr das letzte Mal zu Hause warst, habe ich mir den Samstag vollgepackt mit Aktionen.
Was ich morgen am Sonntag (es ist schon Sonntag) mache, weiß ich noch nicht.
Ich wollte durch pausenloses Rotieren abgekoppelt sein von der Erinnerung, dem Schmerz.
Und es hat funktioniert, mein lieber Schatz.
Siebenhundert Kilometer bin ich gefahren bei Nebel, Schnee, Regen und zuletzt bis eben in der Finsternis der Nacht.
Hab mit meinen Eltern zu Mittag gegessen, liebe Freunde besucht, nachher auf einer Feier ganz alte Bekannte von früher getroffen, mich in ihrer Zuneigung wohlgefühlt, bin von Ort zu Ort getingelt und hatte bis auf eine kurze Episode keine Gelegenheit, mich meiner Trauer anzuvertrauen.
Ich wusste, dass ich es nicht aushalten würde, heute da einzusteigen.
So will ich auch mit dem grausamen Februar verfahren, der ja gar nichts dafür kann, für das alles.
Nun liege ich endlich im Bett und bin voller Dankbarkeit, dass meine Unternehmungen so geglückt sind und ich gleich voller Liebe für Dich und Deine wunderbaren Geschwister, Deinen Vater, meine Eltern, meinen Bruder und seine Lieben, die gesamte  Familie Deines Vaters und meine Freunde einschlafen werde.